Vor der Kunst steht das Handwerk!
Dr. Kornelia Schnecker

Das Handwerk
Dieses gilt es zu erlernen, den Umgang mit verschiedenen Massen (Tone und Porzellane) auszuprobieren und die physikalischen Eigenheiten zu erkennen. Die Herstellung von Formen und das Brennen im Keramik -Ofen erfordern weiteres Know-How, handwerklich und technisch.

Glasurauswahl
Des Weiteren gilt es, die passenden Glasuren zu den Massen zu finden, die physikalischen und chemischen Gesetze zu erlernen und zu wissen, welche Glasuren welchen Ausdehnungskoeffizienten haben, damit sie auf die entsprechende Form aufgebracht werden können, ohne dass sie wieder abplatzen.

Hürden
Der Weg vom Ton oder Porzellanpulver zur fertigen Form ist gespickt mit vielen Fallstricken und Schwierigkeiten, die im Laufe der Zeit erkannt und gelernt werden müssen. Die Frustrationstoleranz wird hier stark beansprucht.
Sinnreich ist es auch, ein sehr detailliertes Tagebuch zu führen, bei dem genau beschrieben wird, welche Prozentanteile in Massen verarbeitet werden, wieviel Wasser in welcher Abfolge zugesetzt wird, wie lange diese Massen ruhen, wie alt sie sind und so weiter. Wenn dann der erste Brand, der so genannte Schrühbrand zu einer ersten Verfestigung der Form geführt hat, kann man über die Glasur nachdenken, beziehungsweise die Glasur passend zur Form aussuchen.
In meinem Fall handelt es sich vorwiegend um das Ziel, Kristallglasuren auf Formen zu bringen, die sie gut darstellen können. Dann braucht es bestimmte Stoffe für die Glasurherstellung, die als Kristallbildner bekannt sind. In dem Fall sind es Zinkoxid und Siliziumsalze , sowie verschiedene Oxide, die als Kristallbildner wirken. – Dann müssen Probeplättchen gemacht werden. Das bedeutet, die Probeplättchen müssen aus dem Material gemacht werden, auf dem man Kristalle produzieren möchte. Dazu ist es empfehlenswert, wenn man mit verschiedenen Massen und der gleichen Klausur arbeitet, von jeder Masse ein Probeplättchen oder ein Türmchen zu haben zu beschriften . Dann zu glasieren, so entstehen Kataloge von Glasuren mit Nummern und Bildern mit den dazugehörigen Auswertungen der Farben und der Qualität der Kristallbildung.
Der Brennvorgang
Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der Brand und die Führung der Temperatur über die Zeit des Brandes, da die Kristallbildung wesentlich davon abhängt. Das Wichtigste ist aber die Zeit, in der die glasierten Teile abkühlen. Diese muss verlängert sein,um die Kristallbildung zu provozieren und zu einem guten Ergebnis zu bringen. Auch hier ist eine sorgfältige Dokumentation wichtig, um gegebenenfalls gute Ergebnisse zu wiederholen oder Fehler zukünftig zu vermeiden.
Vor der Kunst steht also ein sehr minutiös ausgeführtes und akribisch dokumentiertes Handwerk.
Dann erst kann man künstlerische Ideen entwickeln und umsetzen.
Die Kunst besteht darin , diese sehr schwierig herzustellenden Glasuren auf entsprechenden Formen gut zur Geltung zu bringen. Hierbei spielen neben den chemischen und keramischen Gesetzen Licht und Bewegung eine große Rolle.
Zum Einen erscheinen die Kristalle auf runden Formen als kreisförmige Strukturen, auf ebenen Flächen und Bildern eher fächerförmig oder floral. Zum Anderen sind sie in sich kristallin aufgebaut, so dass aus verschiedenen Blickwinkeln andere Strukturen hervortreten und dreidimensionale Eindrücke entstehen.
Dies zeigt sich besonders bei Schmuck , da die Bewegung der Trägerin/des Trägers und die verschiedenen Lichteinfallswinkel die Kristallwirkung verstärkt erkennen lassen.
